Nachhaltigkeit: Interview mit Dr. Ines Oehme vom UBA

Dr. Ines Oehme, Umweltbundesamt
Dr. Ines Oehme rät zu wiederverwendbaren Modulen und umweltfreundlichen Materialien
Foto: Umweltbundesamt

Jede Messe hinterlässt Berge an Abfällen, auch Messestände werden aussortiert. Doch es findet ein Umdenken im Messebau statt. Dr. Ines Oehme vom Umweltbundesamt im Interview über Nachhaltigkeit.

Das Thema „Nachhaltigkeit“ hat in allen Branchen Einzug gehalten. Gerade auf Messen wird der Wunsch nach dem ökologischem Fingerabdruck aber zu einer größeren Herausforderung: Nicht nur bei den Give-aways oder Werbematerialien, die einen Berg an Müll hinterlassen. Sondern auch bereits beim Bau des Standes sollte auf nachhaltige Strategien Wert gelegt werden. So achten Firmen bereits bei den Entwürfen ihrer Stände auf Wiederverwertbarkeit und umweltfreundliche Materialien. Das Umweltbundesamt hat sogar eine Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt und sämtliche Veranstaltungen des Bundes erfolgen nach diesem Leitfaden. Messe-Trends.de hat mit dem Umweltbundesamt über das Thema Nachhaltigkeit auf Messen gesprochen.

Frau Dr. Oehme, wieso ist es Ihrer Meinung nach unabdingbar, sich als Aussteller vor dem Standbau auf einer Messe mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen?

Mit einem Messestand präsentieren Unternehmen ihre Produkte und Leistungen. Dabei sagt die Gestaltung auch viel über Firmenphilosophie aus, nicht nur im Design und der Präsentation der Produkte, sondern auch was die Konzeption des Standes an sich und die Wahl der Materialien betrifft. Da ein Messestand nur eine kurze Nutzungsdauer hat, entstehen viele Abfälle. Im Sinne der Ressourcenschonung und des Umweltschutzes sollten Unternehmen daher weitestgehend wiederverwendbare Module einsetzen und umweltfreundliche Materialien wählen. Damit können sie auch ihren Kundinnen und Kunden zeigen, dass dem Unternehmen Umweltschutz am Herzen liegt.

Die Digitalisierung hat auf Messeveranstaltungen Einzug gehalten. Sehen Sie in der Digitalisierung einen Vorteil, wenn es um Nachhaltigkeit geht?

Auch elektronische Geräte verbrauchen natürlich für ihre Herstellung und Nutzung wertvolle Ressourcen, aber natürlich lassen sich dadurch auch viele Ressourcen sparen. Denken wir nur an die vielen Kataloge, die häufig auf Messen verteilt wurden. Viele Unternehmen ersetzen dies mittlerweile durch ansprechende Internetauftritte und elektronische Kataloge.

Zur Person

Dr. Ines Oehme

  • promovierte Chemikerin
  • seit 2006 im Umweltbundesamt tätig
  • zuständig für Ökodesign, Umweltkennzeichnung und umweltfreundliche Beschaffung
  • Politikerin bei Bündnis 90 / Die Grünen

Sind Messestände für Unternehmen nicht erneut einsetzbar, spielt Recycling eine wichtige Rolle. Hier ist das Umweltbundesamt selbst Vorreiter. Worauf legt das Umweltbundesamt bei eigenen Messeauftritten Wert?

Bei seinen Messeständen legt das Umweltbundesamt vor allem Wert  auf eine mehrfache Einsetzbarkeit. Bei der Gestaltung des Standes werden umweltfreundliche Materialien, die z.B. mit dem Blauen Engel zertifiziert sind, eingesetzt. Zudem sollte auf eine energiesparende Beleuchtung wie den Einsatz von LED-Beleuchtung oder auf einen geringen Materialeinsatz insgesamt geachtet werden. Auch Broschüren oder Give-aways können umweltfreundlich produziert und mit dem Umweltzeichen zertifiziert werden. Aber auch hier gilt: Eine reduzierte Ausgabe von Broschüren und stattdessen Verweise auf online-Informationen schützen die Umwelt.

Das Umweltbundesamt ist auch in der Forschung zum Thema Recycling sehr aktiv. Was wird dabei genau erforscht und welche Materialien können aus den Forschungserkenntnissen gut im Messebau verwendet werden? 

Prinzipiell lassen sich sortenreine Materialien ohne Verbünde wie Glas, Metalle wie Stahl, Eisen, Aluminium, Holz, Papier und Kunststoffe gut recyceln. Dabei ist es vor allem wichtig, dass Abfälle weitgehend unverschmutzt sowie getrennt nach den Materialarten gesammelt und einer möglichst hochwertigen Verwertung zugeführt werden. Allerdings dürfen wir uns im Recycling keiner Illusion hingeben: Auch wenn es zur Ressourcenschonung beiträgt, ist der energetische Aufwand nicht unerheblich. Dies gilt insbesondere, wenn es gelingen soll, wirklich gleichwertige Rezyklate ohne Qualitätseinbußen zu erzeugen. Eine Wiederverwendung von Elementen durch ein modulares, flexibles Design bleibt die erste Wahl im nachhaltigen Messebau.

Trotz nachhaltigem Messebau fallen an Messeständen häufig Unmengen an Abfällen an. Wie können Unternehmen ihren Messeauftritt dahingehend umweltschonender durchführen?

Abfälle auf der Messe selbst entstehen ja häufig durch die Informationsmaterialien und die Gastronomie. Die Chancen der Digitalisierung zur Vermeidung von Papier hatten wir ja bereits angesprochen. Eine weitere Maßnahme ist, vor allem Mehrweggeschirr für die Bewirtung einzusetzen und bei Give-aways auf unnötige Verpackungen zu verzichten.

Schließen sich Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit grundsätzlich aus oder profitieren Unternehmen von einer nachhaltigen Strategie?

Es gibt sicherlich auch Zielkonflikte, aber im Großen und Ganzen profitieren Unternehmen von nachhaltigen Strategien und langfristig ist erfolgreiches Wirtschaften ohne Umweltschutz nicht denkbar.

Vielen Dank für das Gespräch!

Quellen

Schlagwörter / Themen
Alle Angaben ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit

Lesen Sie auch: