Messegesellschaften vorgestellt: Messe Düsseldorf - Global Player mit Verantwortungsbewusstsein

Messegesellschaften vorgestellt: Messe Düsseldorf
Werner M. Dornscheidt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Düsseldorf, über die Bedeutung des Unternehmens und die Herausforderungen der Zukunft
Foto: Andreas Wiese / Messe Düsseldorf

Die Messe Düsseldorf schafft den Spagat zwischen globalem wirtschaftlichen Erfolg und dem Wahrnehmen unternehmerischer Verantwortung. Messechef Werner M. Dornscheidt erläutert, wie beides geht.

When heart meets business, lautet das Motto der Messe Düsseldorf. Als eine der weltweit erfolgreichsten Messegesellschaften versteht sich das Unternehmen als Zukunftsgestalter, Wachstumsbegleiter und Entwicklungsförderer – und das sowohl im nationalen als auch im internationalen Kontext. Thematisch konzentriert sich die Messe dabei auf fünf Kompetenzfelder. So ist sie nah an den Branchen und hat immer ein offenes Ohr für die neuesten Trends.

Die kommenden Jahre stehen für die Messe Düsseldorf ganz im Zeichen von Modernisierung, Digitalisierung sowie verantwortungsvollem und nachhaltigem Wirtschaften als weltweit agierendes Unternehmen in Zeiten knapper werdender Ressourcen.

Zahlen & Fakten

Messe Düsseldorf

  • Messen pro Jahr (2018): 27 in Düsseldorf (16 Eigen- und 11 Gastveranstaltungen), 51 Veranstaltungen im Ausland
  • Gesamtfläche Messegelände: 305.727 m²
  • Anzahl Besucher (2018): ca. 1,14 Mio. Fachbesucher
  • Anzahl Mitarbeiter: ca. 830 weltweit, ca. 730 Standort Düsseldorf
  • thematische Spezialisierung:
    fünf Kompetenzfelder: 1. Maschinen, Anlagen & Ausrüstungen, 2. Handel, Handwerk & Dienstleistungen, 3. Medizin & Gesundheit, 4. Lifestyle & Beauty, 5. Freizeit

Werner M. Dornscheidt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Düsseldorf, gab im Gespräch mit Messe-Trends Auskunft über Firmenphilosophie und Potenziale des Unternehmens, gesellschaftliches Engagement und die Vorzüge des gerade fertiggestellten Neubaus der Messehalle 1.

Herr Dornscheidt, welche Themen und Projekte hat die Messe Düsseldorf für 2020 und darüber hinaus auf der Agenda?

Wir befinden uns mitten in der Messe-Rallye 2019/2020: Von August 2019 bis Juni 2020 finden insgesamt 21 Eigenveranstaltungen statt, zu denen insgesamt rund 1,6 Millionen Besucher und 35.000 Aussteller erwartet werden. Zudem setzen wir mit der Fertigstellung der Neuen Messe Süd/Halle 1 in 2020 unseren Masterplan zur vollständigen Modernisierung und Erneuerung unseres Geländes an unserer Homebase in Düsseldorf fort. Indem wir unser Gelände weiter an die Nachfrage und die Anforderungen unserer Kunden anpassen, erhöhen wir den Servicefaktor.

Die Geländeoptimierung ist eine unserer vier strategischen Säulen, die sich unter dem Dach „Messe Düsseldorf 2030“ vereinen. Dazu gehören auch der Ausbau unserer internationalen und nationalen Portfolios, die digitale Transformation unseres Unternehmens sowie ein verantwortungsbewusstes Wirtschaften. Ein zusätzliches Highlight sind die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Seit 2000 realisieren wir im Auftrag der Deutschen Sport Marketing (DSM) das Deutsche Haus für die Olympischen und seit 2010 auch für die Paralympischen Spiele.

Kürzlich wurde die neu erbaute Messehalle 1 in Betrieb genommen, der neue Eingang Süd steht ebenfalls vor der Fertigstellung. Was erwartet Aussteller und Besucher hier?

Aussteller und Besucher erwartet eine an ihren Bedürfnissen ausgerichtete Halle mit hohen Standards, die flexibel nutzbar ist. Unsere neue Halle 1 ist 158 Meter lang, 77 Meter breit und bietet über 12.000 Quadratmeter stützenlose Fläche. Der Zugang zur Halle erfolgt über das 16,5 Meter hohe, verglaste Foyer, dessen 2.000 Quadratmeter ebenfalls als Veranstaltungsfläche nutzbar sind. Dem Foyer vorgelagert wird ein überdimensionales, 7.800 Quadratmeter großes und etwa 20 Meter hohes Vordach aus lichtdurchlässigem Glasfasergewebe, das den neuen Eingang zur Neuen Messe Süd markieren wird.

Im ersten Obergeschoss der Halle stehen sechs moderne verglaste Konferenzräume mit 200 Quadratmetern für jeweils 198 Personen zur Verfügung. Alle Räume sind mittig teilbar und somit noch flexibler. Darüber hinaus ist der gesamte Konferenzbereich im ersten Obergeschoss über eine gläserne Brücke mit dem Congress Center CCD Süd verbunden.

Eine seitlich angeordnete Magistrale führt vom Südeingang direkt auf das übrige Messegelände und bildet eine Anbindung an die Hallen 3 und 4. Die Halle ist auch außerhalb von Messezeiten als Veranstaltungsstätte nutzbar und bietet zum Beispiel in Reihenbestuhlung bis zu 10.000 Personen Platz. Damit erhöht die Messe Düsseldorf die Nutzungsmöglichkeiten erheblich und antwortet auf die Flexibilitätsanforderungen im Messe- und Eventgeschäft.

Messen haben immer noch das Image, sehr analoge Veranstaltungen zu sein. Wie weit ist die Messe Düsseldorf in Sachen digitale Transformation?

Die digitale Transformation – eine unserer strategischen Säulen – hat bei der Messe Düsseldorf einen hohen Stellenwert. Dafür wurde 2017 der Unternehmensbereich Digitale Strategie und Kommunikation eingeführt. Tatsächlich waren wir ein Wegbereiter der Digitalisierung in der Messebranche: Bereits 1995 hatte unsere weltgrößte Messe für Druckmaschinen, die drupa, eine der ersten Messe-Websites überhaupt. Ein Jahr später waren alle Düsseldorfer Messen online. Heute läuft für Besucher und Aussteller rund um die Messeteilnahme – von der Vorbereitung bis zur Messeevaluation – vieles digital. Beispielsweise wickeln wir die Verkäufe von Tickets, Flächen und Services nahezu komplett online ab. Wir erwirtschaften mittlerweile einen Großteil unseres Umsatzes auf digitalem Weg.

Auf unserem Messegelände findet man Stelen mit Touchscreen, die Besucher mit allen Informationen zur laufenden Messe versorgen. Dort ist auch der interaktive Hallenplan hinterlegt, worüber Besucher sich die Wegstrecke vom Standort der Stele zum gewünschten Aussteller anzeigen lassen können. Zu jeder unserer Messen bieten wir darüber hinaus eine Messe-App an, mit der sich die Besucher über die jeweilige Veranstaltung informieren und ihren Messeaufenthalt organisieren können.

Zudem können Aussteller und Besucher von unserem Matchmaking-Tool profitieren, indem sie bereits vor Messebeginn miteinander in Kontakt treten und Termine vereinbaren. Und selbstverständlich ist das Messegelände mit WLAN ausgestattet.

Die Messe Düsseldorf ist sehr gut international vernetzt und aktiv. Wie profitieren der Messestandort Düsseldorf und die internationalen Partner davon?

Das stimmt, unser Einsatzgebiet ist nahezu die ganze Welt. Mit 77 Auslandsvertretungen, davon sieben ausländischen Tochtergesellschaften und weiteren internationalen Beteiligungen, sind wir in 141 Ländern vertreten. Wir bauen unsere internationalen Aktivitäten weiter aus, um der Marktnachfrage in einer immer globaleren Wirtschaftswelt entgegen zu kommen, mehr internationale Aussteller und Besucher für die Weltleitmessen an unserer Homebase in Düsseldorf zu gewinnen und zyklusbedingte Schwankungen durch ein stabiles Auslandsgeschäft immer besser abzufedern.

Der positive Rückkopplungseffekt für den Messeplatz Düsseldorf bestätigt die Globalisierungsstrategie des Unternehmens. Der Anteil der Gäste aus dem Ausland steigt seit Jahren. 2018 kamen 74 Prozent ausländische Aussteller auf Eigenveranstaltungen in Düsseldorf zusammen; bei ausländischen Besuchern waren es 31 Prozent. Zu unseren Veranstaltungen im Kompetenzfeld Maschinen, Anlagen & Ausrüstungen kamen sogar 77 Prozent ausländische Aussteller und knapp 70 Prozent internationale Besucher. Das sind Spitzenwerte für deutsche Industriegütermessen.

Das hohe internationale Renommee der Düsseldorfer Weltleitmessen zahlt sich auch für die Region Düsseldorf aus: Dem Fiskus beschert das Düsseldorfer Messe-, Kongress- und Eventgeschäft einer Studie des ifo-Instituts zufolge durchschnittlich steuerliche Mehreinnahmen von 36,3 Millionen Euro pro Jahr. Hinzu kommen Kaufkrafteffekte von 1,66 Milliarden Euro und 16.664 Jobs, die durch die Düsseldorfer Messe- und Kongressmacher und ihre Veranstaltungen in der Region gesichert werden.

Haben auf den großen Messeformaten in Düsseldorf auch der Mittelstand bzw. Start-ups eine Chance, gesehen zu werden?

Natürlich! Mittelständische Unternehmen gehören seit jeher zu unseren Kunden – national wie international. Dabei profitieren sie auch von unserem internationalen Messepublikum. Das ist gerade für exportierende mittelständische Unternehmen eine sehr gute Voraussetzung, bereits in Deutschland erfolgreich Kontakte ins Ausland zu knüpfen.

Zudem stehen wir dem Mittelstand auch bei Auslandsauftritten partnerschaftlich zur Seite. Mittelständler verfügen bei der Messevorbereitung oftmals nur über geringe personelle Ressourcen und geraten dadurch schnell an ihre Grenzen. Wir sind regelmäßig Durchführungsgesellschaft deutscher Firmengemeinschaftsausstellungen auf Messen weltweit im Rahmen des Auslandsmesseprogramms des Bundes. Das bedeutet, dass wir den teilnehmenden Ausstellern als kompetenter Partner für alle organisatorischen Belange zur Verfügung stehen und ihnen einen Großteil der Organisationsarbeit abnehmen.

Und auch Start-ups verhelfen wir zu mehr Sichtbarkeit auf unseren Messen, zum Beispiel durch eigene Bereiche, wie etwa den MEDICA Start-up-Park oder das Start-up Hub der EuroShop. Junge Unternehmen erhalten somit die Möglichkeit, erste Kontakte zu (inter-)nationalen Entscheidern der jeweiligen Branchen zu knüpfen – und das zu besonderen Messekonditionen.

Im Oktober 2019 fand die weltgrößte Kunststofffachmesse K statt. In Zeiten zunehmenden Umweltbewusstseins und Anstrengungen zur Ressourcenschonung werden Kunststoffe immer kritischer gesehen. Haben ein solches Messeformat und die Aussteller heute einen schweren Stand?

Im Gegenteil. Die K fand genau zum richtigen Zeitpunkt statt. Sie hat den weltweiten Marktführern und Top-Entscheidern der Kunststoff- und Kautschukindustrie eine Plattform gegeben, um Neuerungen in Sachen Kunststoffrecycling, Kreislaufwirtschaft, Volumen-Reduzierung von Kunststoffen oder Einsatz biologisch abbaubarer Kunststoffe zu präsentieren und diskutieren. Zur K 2019 haben mehr als 3.300 Aussteller aus über 60 Nationen ausgestellt. Wir haben hier den klaren Willen der Branche gespürt, sich den gesellschaftspolitischen Fragen auf der Bühne der K zu stellen. Und das nicht nur auf ihren eigenen Messeständen: Verschiedene Sonderschauen hatten sich ganz den Themen Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit gewidmet und luden zu Austausch und Diskussion ein.

Welchen Stellenwert hat das Thema Nachhaltigkeit für die Messe Düsseldorf? Was tun Sie konkret?

Verantwortungsbewusstes Wirtschaften ist eine unserer strategischen Säulen. Wir übernehmen Verantwortung – ökonomisch, ökologisch, sozial und gesellschaftlich. Zwei davon möchte ich besonders hervorheben: Ökologisch verantwortungsbewusstes Handeln und Klimaschutz durch Ressourcenschonung sind seit vielen Jahren fester Bestandteil der Firmenphilosophie und des Geschäftsalltags der Messe Düsseldorf. Deshalb haben wir bereits 2011 am ÖKOPROFIT-Programm teilgenommen und betreiben das Düsseldorfer Messegelände gemäß einem strategischen Energiemanagementsystem. Dank verschiedenster Maßnahmen des Energiemanagements sparen wir jährlich rund 5.000 Tonnen CO2. Das entspricht ungefähr dem Pro-Kopf-Verbrauch von 550 Personen oder dem jährlichen Stromverbrauch von 2.300 Haushalten.

Der Ansatz des ökologisch verantwortungsvollen Handelns zieht sich durch den kompletten Geländebetrieb der Messe Düsseldorf. So werden bei Modernsierungen oder Neubauten, wie unserer neuen Halle 1, stets die aktuellen technischen Möglichkeiten ausgeschöpft und neueste Erkenntnisse und Anforderungen zum Beispiel an die Energieeffizienz umgesetzt.

Zweites Beispiel ist unsere Initiative SAVE FOOD. Gemeinsam mit der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) setzen wir uns gegen weltweite Lebensmittelverluste und -verschwendung ein. Seit der interpack 2011 vernetzt SAVE FOOD Akteure aus Wirtschaft, Politik und Forschung, regt den Dialog an und hilft so, Lösungen entlang der gesamten Lebensmittelwertschöpfungskette zu erarbeiten. Ein wichtiges Ziel ist es, SAVE- FOOD-Projekte mit Unterstützung der Industrie zu initiieren und zu fördern – und das weltweit.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

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