Trends und Möglichkeiten: Die Zukunft des Messebaus

Einsatz von VR-Brillen auf Messen
VR-Brillen sind auf Messen zur Normalität geworden
Foto: xijian / iStock

Messen sind im B2B-Bereich nach wie vor eines der wichtigsten Kommunikationsintrumente, um eine Marke oder ein Produkt im Markt zu präsentieren. Messebauer müssen daher die Trends der Branche kennen.

Von der Kampagne und der Auswahl der Materialien und der Bauweise über die Prozesse auf dem Messestand bis hin zur Erfolgsmessung: Die Digitalisierung hat in allen Phasen der Planung und Durchführung einer Messe Einzug gehalten. Potenzielle Kunden erreicht man nicht mehr nur auf einem Kanal: sie wollen „abgeholt“ und am Stand mit einbezogen werden.

Digitalisierung am Messestand

Unternehmen setzen dabei auf digitale Kommunikation und den Einsatz von interaktiven Medien wie Bewegtbilder oder überdurchschnittlich große Bildwände. Dank zahlreicher technischer Hilfsmittel werden auch erklärungsbedürftige Produkte oder Dienstleistungen einfach und verständlich dargestellt. Und aufgrund ihrer Langlebigkeit können digitale Standelemente jederzeit wiederverwendet werden. Ein enormer Vorteil gegenüber Printprodukten, die bereits bei kleinen Veränderungen unbrauchbar oder nach mehrmaligem Nutzen nicht mehr ansehnlich sind.

Auch kleine, technische Gadgets locken Gäste an den Stand, wie zum Beispiel Ladestationen für Smartphones. Für den Gast mitunter ein Problemlöser – und die Ladezeit kann für Beratungsgespräche optimal genutzt werden.

Lead-Generierung am Messestand

Ein großer Helfer bei der Gewinnung von Leads am Stand sind Apps oder mobile CRM-Systeme. Leads werden zum Beispiel via App direkt ins Kundensystem geladen. Das spart Zeit, da Visitenkarten oder Fragebögen nicht umständlich digitalisiert werden müssen. Zudem können automatisch Daten abgeglichen oder Infos zu Bestandskunden abgerufen werden.

Hierbei haben sich Tablets und Monitore auf Messen bereits bewährt, insbesondere für umfassende Beratung, für Einblicke ins Unternehmen oder für Produktpräsentationen. Auch die Touchscreen-Technologie ist dafür hervorragend geeignet.

Wichtig ist, sich nicht in der Fülle der digitalen Möglichkeiten zu verlieren. Ohne ein gutes Gesamtkonzept für den Messestand ist die beste technische Spielerei nichts wert.

Erlebniswelt – mit allen Sinnen

Der Einsatz technischer Elemente verfolgt auch einen unterschwelligeren Zweck: Um die Marke optimal zu präsentieren, sollten sämtliche Beziehungs- und Erlebnisplattformen genutzt werden. So kann eine Marke unter Einbeziehung aller fünf Sinne vermittelt werden. Wenn der Kunde etwas spürt, riecht, sieht, schmeckt und hört, erzeugt das eine Reaktion.

Es entstehen Emotionen und Erinnerungen mit Wiedererkennungseffekten. Der Besuch des Messestandes bleibt dank Multisensorik nachhaltiger im Gedächtnis. So werden beispielsweise Lichteffekte oder Farbspiele mit passender Musik oder Geräuschen unterlegt oder das Versprühen eines angenehmen Dufts eingesetzt. Digitale Wände lassen den Stand zu einem wandelbaren Eyecatcher werden.

Virtuelle Realität

Auch Augmented Reality (AR) oder Virtual Reality (VR) werden auf Messen immer populärer. Dank der Interaktivität können Informationen und Produkte erlebbar gemacht werden. Dinge in die Hand zu nehmen, etwas selbst auszuprobieren oder bei einem spannenden Prozess zusehen. Die virtuelle Realität ermöglicht dem Messebesucher, in die Marken- und Produktwelt einzutauchen. Ganze Erlebniswelten werden dank VR-Technologie erschaffen.

Der Einsatz von VR bietet sich vor allem an, wenn das Produkt so groß ist, dass es nicht möglich ist, es real auf der Messe zu zeigen (z. B. eine Fabrik-Fertigungsstraße). Oder der Benutzer steuert zum Beispiel mit Hilfe von VR-Controllern eine Maschine oder baut etwas zusammen. Dadurch versteht der Nutzer das Produkt tiefgreifend.

Da viele Besucher noch keine VR-Erfahrung haben, bleibt der Messestand in positiver Erinnerung. Geeignet ist ein Virtual-Reality-Einsatz am Messestand nahezu für jedes Unternehmen, da Produkte mit dieser Technologie intensiv erfahren und verstanden werden. Dennoch muss beachtet werden, dass eine VR-Brille allein noch kein Garant für einen gelungenen Messeauftritt ist. Für eine optimale Inszenierung braucht es einen Moderator oder Guide als Unterstützung, um den Besucher anzuleiten und so einen Mehrwert zu generieren.

Messe-Apps

Auch Apps sind für einen erfolgreichen Messeauftritt unabdingbar: So können Besucher mit Messe-Apps ihren Besuch bereits im Voraus planen und sich vor Ort besser orientieren. Eine wachsende Anzahl an Messen verfügt über eigene Apps, über die Aussteller den Besuchern direkt und in Echtzeit Push-Nachrichten zusenden. Push-Benachrichtigungen werden an die Bedürfnisse des Besuchers angepasst und erlauben wertige Call-to-Action-Angebote.

Auch an den Ständen kommen Apps zum Einsatz: Anwendungen generieren wertvolle Kontakte und Leads direkt am Messestand. So können möglichst präzise Rückschlüsse und Informationen zu den Standbesuchern gezogen werden. Das entlastet das Standpersonal und verhilft dem Unternehmen zu umfassenden Informationen über den potenziellen Kunden oder bei der Betreuung von Bestandskunden.

Zukunftsmusik – Trends in der Kommunikation

Laura-Jane Rich, Moderatorin der BBC-Technikshow „Click“, präsentierte auf der digitalen Marketing Konferenz „Adobe Summit“ in London die Zukunft der Kommunikationstechnologien. Eine wesentliche Rolle werden zukünftig sogenannte „Deep Experiences“ spielen, wie zum Beispiel das algorithmische Kino. Während der Zuschauer einen Film schaut, werden die Emotionen anhand von Gehirnströmen und Blutdruck gemessen. Langweilt sich der Zuschauer, ändert ein Algorithmus automatisch die Geschichte des Films.

Ein weiterer Trend ist laut Rich die „Altered Reality“. Mit Augmented und Virtuell Reality verlassen Nutzer zunehmend die echte Umgebung, begeben sich in eine modifizierte Realiät und verlieren so den Spürsinn für unterschwellige Werbung.

Als dritte Entwicklung sieht Rich „Sensing Tech“ auf dem Vormarsch. Mit dieser Technologie werden körperliche Veränderungen erkannt. So wird beispielsweise der Durst eines Sportlers nach dem Sport erkannt und ein virtueller persönlicher Assistent schickt den Sportler direkt zum nächstgelegenen Getränkeladen.

All diese Technologien sind in der Lage, Botschaften unterbewusst zu transportieren und werden im Laufe der nächsten Jahre die Kommunikation auch auf Messen verändern.

Standbauweise

Bei der Entscheidung für einen Systemstand oder einen konventionellen Bau ist zu bedenken, dass ein mehrmals zu verwendender Standbau wirtschaftlicher und umweltschonender ist. Neutrale Systemstände gehören dabei längst der Vergangenheit an. Die meisten Messebauer bieten ein umfassendes Portfolio und können Messestände in allen Größen, aus verschiedensten Materialien und passend zur Corporate Identy des Unternehmens umsetzen.

Ein bunter Materialmix und eine authentische, individuelle Gestaltung sind die Must-haves. Im Baukastenprinzip können modulare Messestände individuell erweitert oder an neue Trends angepasst werden. Im Hintergrund bleibt diese Form unsichtbar.

Gleichzeitig bieten die Baukästen die Grundlage für neue Trends, von großflächigen Grafiken, hinterleuchteten LED-Wänden bis hin zu diversen Multimedia Präsentationsmöglichkeiten. Ein langfristiges Ergebnis, das nicht nur das Budget, sondern auch die Umwelt entlastet.

Wesentliche Vorteile des Systembaus sind:

  • Preisgünstige, vorgefertigte, passgenaue Teile
  • Gute Transport- und Lagerfähigkeit
  • Geringer Personalbedarf beim Auf- und Abbau
  • Einfaches Werkzeug für den Auf- und Abbau
  • Sehr große Stabilität der Teile
  • Vielseitigkeit und Anpassungsfähigkeit

Nachhaltigkeit

Im Sinne der Nachhaltigkeit sollten die Messestände langlebig und weitestgehend unbehandelt sein: Holz, Stoffe und Metalle wie Edelstahl oder Aluminium können bedenkenlos in den Messestand integriert und auch im nächsten Jahr wiederverwendet werden. Ist eine erneute Verwendung nicht gewünscht, sollten die verwendeten Materialien recycelfähig sein.

Indem beim Bau eines Messestandes auf Wiedereinsetzbarkeit und nachhaltige Materialien geachtet wird, werden langfristig Geld, Aufwand und Energie gespart. Schonender Ressourceneinsatz leistet einen wichtigen Beitrag für den Umweltschutz und wirkt sich außerdem positiv auf das Image des Unternehmens aus.

In der Messewirtschaft stellen zudem die großen Mengen an Abfall, die bei den Veranstaltungen in kurzer Zeit und auf engstem Raum anfallen, eine besondere Herausforderung dar. Der Umgang mit vermeidbaren und unvermeidbaren Abfällen sollte damit ein fester Bestandteil bei der Planung des Standes sein.

Viele Messegesellschaften verteilen die Kosten der Abfälle als Nebenkosten auf die Verursacher. Somit wird Abfallvermeidung für jeden einzelnen Aussteller auch zum ökonomischen Faktor. Nachhaltigkeitsengagement wirkt sich zudem positiv auf den Gesamtauftritt des Unternehmens nach außen aus.

Quellen

Schlagwörter / Themen
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