Digitalisierung: Wie Virtual Reality die Messe zum Erlebnis macht

Digitalisierung: Wie Virtual Reality die Messe zum Erlebnis macht
Virtual Reality macht komplexe Objekte und abstrakte Zusammenhänge (be-)greifbar.
Foto: rcfotostock / Adobe Stock

Als Orte der Live-Kommunikation sind Messen wie dafür gemacht, Erlebnisse zu generieren, die in Erinnerung bleiben. Welche Rolle neue Technologien wie Virtual Reality dabei spielen, lesen Sie hier.

In Zeiten zunehmend digitaler Kommunikation gewinnen Messen vor allem als Orte der persönlichen Begegnung an Bedeutung. Hier können Aussteller Kontakte pflegen oder akquirieren, Kunden beraten und ihre Angebote präsentieren. Da reine Informationen zu Produkten und Services inzwischen auch im Vorfeld der Messe leicht online abrufbar sind, stehen verstärkt Imagepflege und Markeninszenierung im Mittelpunkt des Messeauftritts. Der Messestand soll nicht mehr nur informieren, sondern vor allem auch inspirieren. Damit das gelingt, bieten immer mehr Aussteller den Messebesuchern die Möglichkeit, auch als aktive Teilnehmer am Messestand zu agieren. Virtual Reality ist dafür ein geeignetes Mittel.

Technische Voraussetzungen

Virtual Reality ist eine immersive Technologie. Das bedeutet, dass der Messeteilnehmer mit ihrer Hilfe vollkommen in ein fiktives Geschehen abtauchen kann. Das Erlebnis wird durch optische, akustische und haptische Informationen realistisch erlebbar.

Für Messen sind zwei verschiedene Arten der VR-Technologie nutzbar: Zum einen das so genannte CAVE-System, bei dem der Betrachter, ausgerüstet mit einer Stereoskopbrille, einen mit Displays oder Projektionen ausgestatteten Raum betritt und sich innerhalb dieser künstlich visualisierten Welt bewegen kann. Da der große Platzbedarf für dieses System bei Messeauftritten einen entscheidenden Nachteil darstellt, wird vor allem die zweite Variante bevorzugt eingesetzt: VR-Brillen bzw. Headsets. Diese sogenannten Head Mounted Displays vermitteln dem Gehirn den Eindruck eines dreidimensionalen Raumes. Damit sich der Nutzer interaktiv am VR-Erlebnis beteiligen kann, sind außerdem Eingabegeräte in Form von Controllern, Datenhandschuhen oder sogar Datenanzügen notwendig. VR-Brillen sind auf rechenstarke externe Prozessoren angewiesen, die das Bildmaterial bereitstellen und auf Aktionen des Nutzers reagieren. Je leistungsfähiger die Grafikkarte, desto realistischer wirkt das virtuelle Erlebnis.

Einsatzpotenziale für VR auf Messen

Ein unvergesslicher Messeauftritt ist das Ziel jedes Ausstellers. Durch die Ansprache aller Sinne schaffen VR-Erlebnisse lange nachwirkende Erinnerungen. Denn wie keine andere Präsentationsmöglichkeit hilft VR der Vorstellungskraft auf die Sprünge – gerade, wenn es um abstrakte Zusammenhänge geht oder kleinste technische Details sichtbar gemacht werden sollen. Umgekehrt können dank virtueller Realität auch sehr große oder aber unbewegliche Exponate, etwa Maschinen oder Immobilien, dem Messepublikum zugänglich gemacht werden, die sonst im Rahmen der Messe nicht oder nur unter großem Transport- und Kostenaufwand zur Verfügung gestellt werden könnten. Ähnliches gilt für Produkte, die in vielen unterschiedlichen Varianten konfiguriert werden können. Verschiedenste Ausstattungsmöglichkeiten, Material- und Farbkombinationen werden in der virtuellen Realität sicht- und erlebbar gemacht.

Daneben werden etwa abstrakte Markenbotschaften oder Produkteigenschaften dank Virtual Reality auch über spielerische Inhalte vermittelt. Gamification lautet hier das Stichwort, ein aktuell heißer Trend auf Messen. So müssen etwa bei einer virtuellen Bergwanderung oder einem Vogelflug Aufgaben gemeistert werden, die zu einem Erfolgserlebnis führen. Im besten Falle erreicht der Nutzer dabei einen Flow-Zustand, bei dem er die äußere Umgebung vollkommen ausblendet und selbstvergessen in das fiktive Geschehen versunken ist. Somit schafft VR nicht zuletzt eine Erlebniswelt für den Nutzer, die sonst auf einer Messe oder gar im wahren Leben nicht möglich wäre. Eine positive VR-Erfahrung erhöht die Loyalität zu einem Unternehmen sowie zu dessen Produkten und Markenbotschaft erheblich.

Auch zum immer wichtiger werdenden Themenkomplex Nachhaltigkeit auf Messen kann die Nutzung von virtueller Realität ihren Teil beitragen. Denn die Entscheidung für die Produkt- und Markeninszenierung auf vornehmlich digitaler Ebene erlaubt eine reduziertere Standarchitektur, die sich verstärkt auf modulare Systeme stützt. Aufwendige CAVE-Syteme können außerdem auch im Nachgang einer Messe weitergenutzt und etwa im Rahmen einer PR-Tour bei weiteren Events eingesetzt werden.

Die Vorteile von VR noch einmal zusammengefasst:

  • Unterstützt die Vorstellungskraft der Kunden
  • Spricht alle Sinne an und schafft sonst nicht erfahrbare Erlebnisse
  • Fördert emotionale Bindung an Marke oder Unternehmen
  • Vermittelt anschaulich erklärungswürdige oder abstrakte Inhalte
  • Unterstützt nachhaltigen Messebau
  • Fördert Eigendarstellung als technikaffines Unternehmen
  • Lenkt Aufmerksamkeit der Besucher auf den Messestand

VR um jeden Preis?

Natürlich ist die Nutzung einer so zukunftsträchtigen Technologie wie der VR ein Statement schlechthin: Aussteller setzen sich so als moderne Unternehmen am Puls der Zeit in Szene. Trotzdem sollte Virtual Reality nicht als bloßes Mittel zum Zweck der Erhöhung des Besucherstroms am Messestand eingesetzt werden. Zu bedenken sind einerseits die Kosten für die Anschaffung von Soft- und Hardware sowie für die Entwicklung eines komplexen VR-Erlebnisses samt zugehörigen Contents. Zum anderen sollte gründlich analysiert werden, ob der Einsatz von VR tatsächlich einen Mehrwert für die Messepräsentation im Vergleich zu konventionellen Mitteln bietet. Gerade Produkte mit starker haptischer, geschmacklicher oder olfaktorischer Komponente, etwa aus der Gastronomie oder Kosmetikindustrie, profitieren nicht zwangsläufig von virtueller Darstellung, da ihre Eigenschaften durch die tatsächliche sinnliche Erfahrung weitaus besser vermittelt werden können. Und selbst bei der Entscheidung für eine VR-Anwendung sollte ihr Einsatz immer als Ergänzung der Präsentation am Messestand betrachtet werden, und nicht als ihr alleiniger Inhalt.

Weitere Hindernisse, die bei der Entscheidung für VR in Betracht gezogen werden sollten:

  • Motion Sickness: Eine der Seekrankheit ähnliches Unwohlbefinden beim Nutzer, ausgelöst durch die Inkongruenz von optischen Reizen und tatsächlichen Bewegungen des Körpers.
  • Erscheinungsbild des Nutzers: Für den außenstehenden Betrachter kann eine in eine VR-Erfahrung abgetauchte Person leicht unbeholfen wirken. Gerade Entscheider auf einer B2B-Messe möchten sicher nur ungern für unfreiwillige Komik sorgen. Ein separtes Areal für die VR-Nutzung könnte eine Lösung sein.
  • Erklärungswürdigkeit der Technik: VR-Technik ist nicht komplett selbsterklärend. Entsprechend muss jeder Nutzer individuell in die Anwendung eingewiesen werden. Daraus ergeben sich zusätzlicher Zeitaufwand und erhöhter Personalbedarf.
  • „Einsame“ Erfahrung: Im Gegensatz zum Gemeinschaftserlebnis Messe ist das VR-Erlebnis derzeit noch eine Ein-Personen-Erfahrung, in der sich ein Nutzer auch schnell verloren fühlen kann. Eine Interaktion mit anderen Teilnehmern ist noch nicht möglich.

Fazit: Vielversprechendes Add-on

Als Erlebnistechnologie ist Virtual Reality eine vielversprechende Ergänzung des Messeauftritts, mit der sich Aussteller als aufgeschlossen gegenüber aktuellen Trends der Eventbranche präsentieren können. VR bietet viele spannende Möglichkeiten: Vor allem die Ansprache von Emotionen und die Schaffung von sonst nicht zugänglichen Einblicken und Erlebnissen bindet Messebesucher und sorgt für einen lange nachwirkenden Erinnerungseffekt. Eine positive VR-Erfahrung prägt so das Unternehmens-Image nachhaltig positiv. Nichtsdestotrotz sollten aber Aufwand und Nutzen gegeneinander abgewogen werden und eine VR-Erfahrung auch tatsächlich zum eigenen Produkt- und Service-Angebot passen.

Quellen

Schlagwörter / Themen
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